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Bayern Abitur Evangelische Religionslehre

Abitur · ISB BayernReligious Studies45 notes in 7 folders, 223 KB

45 revision notes for ISB Bayern Abitur Religious Studies, made by cookie, in 7 sections that follow the course's topics.

Notes for the Bavarian Abitur in Evangelische Religionslehre at the advanced level (erhöhtes Anforderungsniveau), in one folder for each learning area of the LehrplanPLUS for Jahrgangsstufe 12 and 13: the question of God and theodicy, the imperfect human being, work and achievement, Christian life in society, ethics of the good life, applied ethics, and Christian hope. Each note sets out the biblical texts, theologians and philosophers with their positions and counter-arguments.

Adding them puts a copy in your notes, in a folder of its own with the folders below, for you to change and turn into flashcards or a question deck. Download gives you a zip of markdown files, which opens in any notes app.

What is inside

  • Sinnfrage und Gottesfrage
    • Ein aktuelles Thema aus theologischer Perspektive6 KB
    • Sinnfragen und Sinnangebote in Kultur und Gesellschaft4 KB
    • Die Frage nach Gott als existenzielle Frage5 KB
    • Gott in biblischen Traditionen5 KB
    • Allmacht und Liebe Gottes6 KB
    • Die Theodizeefrage und biblische Antwortversuche6 KB
    • Philosophische und theologische Antworten auf die Theodizee5 KB
    • Der trinitarische Gottesglaube6 KB
    • Feuerbachs Projektionstheorie5 KB
    • Marx, Nietzsche, Freud und der heutige Atheismus7 KB
  • Der im-perfekte Mensch
    • Perfektion und Identität4 KB
    • Fragmentarität, Schuld und Scheitern4 KB
    • Erkenntnis und Wirklichkeitswahrnehmung5 KB
    • Aggression und Willensfreiheit5 KB
    • Sünde und Gnade in der Bibel5 KB
    • Simul iustus et peccator und die Rechtfertigung bei Luther5 KB
  • Der Mensch als Homo faber
    • Sichtweisen vom Menschen als gestaltendem Wesen4 KB
    • Geschöpflichkeit, Gottesebenbildlichkeit und Sabbat4 KB
    • Biblische Perspektiven auf Leistungsbereitschaft, Leistungsfähigkeit und Leistungszwang4 KB
    • Die Freiheit eines Christenmenschen4 KB
    • Theorien zu Arbeit und Beruf5 KB
    • Gerechtigkeit in der Arbeitswelt5 KB
  • Christsein in der Gesellschaft
    • Individuum und Gesellschaft4 KB
    • Der Mensch als zoon politikon5 KB
    • Kirche in der Gesellschaft5 KB
    • Meinungsbildung und politische Verantwortung in ELKB und EKD5 KB
    • Zwei Reiche und Königsherrschaft Christi5 KB
    • Bonhoeffer, weitere Ansätze und christliche Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen5 KB
  • Gutes Leben und richtiges Handeln
    • Gutes Leben und ethische Grundbegriffe4 KB
    • Argumentationsmodelle der Ethik5 KB
    • Die Ethik Immanuel Kants5 KB
    • Utilitarismus5 KB
    • Weitere Ansätze philosophischer Ethik5 KB
    • Christliche Ethik6 KB
  • Ethische Problemfelder
    • Methoden ethischer Urteilsbildung5 KB
    • Medizinethik6 KB
    • Friedensethik5 KB
    • Tierethik5 KB
    • Wirtschaftsethik5 KB
    • Umweltethik5 KB
    • Medienethik5 KB
  • Christliche Hoffnungsbilder
    • Übergänge und Zukunftsvisionen4 KB
    • Endlichkeit, Tod und die Überwindung des Todes4 KB
    • Reich Gottes und Auferweckung5 KB
    • Gericht, ewiges Leben und neue Schöpfung6 KB

The first note

Sinnfrage und Gottesfrage / Ein aktuelles Thema aus theologischer Perspektive

Was ein Längsschnittthema leistet

Eine gesellschaftlich aktuelle, komplexe Fragestellung wird im Lauf des Kurses immer wieder aus der Sicht eines anderen Lernbereichs beleuchtet. Das Thema bleibt dasselbe, die Fragen an es ändern sich: Wo liegt in ihm eine Sinnfrage, ein Bild vom Menschen, eine Vorstellung von gutem Handeln, eine Zukunftserwartung? Geeignet sind Fragestellungen, die sich zugleich theologisch, anthropologisch und ethisch betrachten lassen, etwa aus Politik, Medizin, Ökologie, Wirtschaft, Medien oder dem persönlichen Alltag. Beispiele sind Künstliche Intelligenz, Transhumanismus, Klimawandel, Leistungsdruck in sozialen Medien oder Sterbehilfe.

Ein Thema wird nicht dadurch theologisch, dass man am Ende einen Bibelvers hinzufügt. Es wird theologisch, wenn man es mit den Denkfiguren der Theologie in ein Gespräch bringt und dabei die Deutungsangebote anderer Disziplinen ernst nimmt: soziokulturelle Beschreibungen, biblisch-theologische Texte, philosophische Positionen und religionskritische Einwände.

Ein durchgespieltes Beispiel: Transhumanismus

Der Transhumanismus ist eine philosophische und technische Bewegung, die die Grenzen menschlicher Fähigkeiten mit Hilfe von Technologie verschieben will. Gemeint sind körperliche, geistige und emotionale Leistungen, aber auch das Altern und der Tod. Beispiele sind Gehirn-Computer-Schnittstellen, der Gedanke, das Bewusstsein auf einen Rechner zu übertragen (Mind-Upload), das Einfrieren Verstorbener in der Hoffnung auf spätere Wiederbelebung (Kryonik), genetische Eingriffe und Prothesen, die über das Normale hinausgehen.

Jeder Lernbereich stellt an dieses Thema eine eigene Frage.

Sinnfrage und Gottesfrage

Der Transhumanismus verspricht ein Leben ohne Leid und wirft damit die Frage auf, woran ein Mensch sein Herz hängt. Wer Unsterblichkeit durch Technik erwartet, setzt sein Vertrauen auf etwas, das an die Stelle Gottes tritt, und Luthers Erklärung zum ersten Gebot kann dann als Prüfstein dienen. Auch die Theodizeefrage berührt sich mit ihm: Wenn Leid technisch abgeschafft werden könnte, würde die Frage, wie ein guter Gott Leid zulassen kann, ihre Dringlichkeit verlieren, so die Hoffnung. Biblische Antworten, die Klage, Anklage und Hoffnung auf Vollendung kennen, gehen in eine andere Richtung. Aus der Religionskritik lässt sich Feuerbachs Gedanke heranziehen, dass Menschen ihre Wünsche nach Vollkommenheit und Unendlichkeit nach außen projizieren; der Transhumanismus holt diese Wünsche gleichsam aus dem Himmel zurück und will sie selbst verwirklichen.

Der im-perfekte Mensch

Der Mensch erscheint hier als verbesserungsbedürftiges Wesen. Die Frage ist, welches Bild von Perfektion dahintersteht, wer es bestimmt und was mit Fragmentarität, Scheitern und Schuld geschieht, wenn sie als technisch behebbare Mängel gelten. Die reformatorische Rede vom Menschen als zugleich gerecht und Sünder deutet das Unvollkommene nicht als Defekt, den man beseitigen muss, sondern als Bedingung, unter der Gnade gilt. Die Rechtfertigung befreit vom Zwang zur Selbstoptimierung.

Homo faber

Der Transhumanismus steigert die Vorstellung vom Menschen als gestaltendem Wesen bis zur Selbstgestaltung. Theologisch ist die Spannung von Empfangen und Gestalten wichtig: Der Mensch ist Geschöpf, dem sein Leben gegeben ist, und zugleich beauftragt, die Welt zu gestalten. Die Freiheit eines Christenmenschen entlastet davon, sich über Leistung zu definieren; dort, wo Leistungsfähigkeit zum Maß des Menschen wird, stellt sich außerdem die Gerechtigkeitsfrage, denn Verbesserungen wären zunächst für Wohlhabende zugänglich.

Christsein in der Gesellschaft

Gesellschaftlich fragt sich, wer über solche Technologien entscheidet, wie sie geregelt werden und welche Rolle die Kirchen in der öffentlichen Debatte haben. Sozialethische Modelle, etwa Barths Rede von der Königsherrschaft Christi oder Luthers Unterscheidung der zwei Regimente, geben unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie Christen politische Verantwortung übernehmen.

Gutes Leben und richtiges Handeln

Ethisch lässt sich fragen, ob Kants Selbstzweckformel Eingriffe verbietet, die Menschen zu optimierbaren Objekten machen, ob ein utilitaristischer Blick sie rechtfertigt, wenn sie viel Leid vermeiden, und welches Bild vom guten Leben dahintersteht. Die Medizinethik führt zur Unterscheidung von Therapie und Enhancement.

Hoffnung

Die Vision, den Tod zu überwinden, steht in einem Gegenüber zur christlichen Hoffnung auf die Auferweckung der Toten. Beide kennen Vorstellungen eines Lebens ohne Leid, doch der Transhumanismus erwartet sie als Ergebnis menschlicher Planung, während die Hoffnung auf die neue Schöpfung sie als Gabe Gottes versteht, die dem Menschen entgegenkommt. Utopische und dystopische Zukunftsbilder zeigen, was sich Menschen von der Zukunft erhoffen und was sie fürchten.

Wie man ein Thema selbst aufschließt

Man beschreibt zuerst die Sachlage mit ihren Fakten, Akteuren und Streitpunkten und prüft, woher die Informationen stammen. Dann stellt man an das Thema nacheinander die Fragen der Lernbereiche: nach Sinn und Gott, nach dem Bild vom Menschen und seiner Begrenztheit, nach Arbeit und Leistung, nach der Verantwortung in der Gesellschaft, nach gutem Leben und richtigem Handeln und nach der Zukunft. Zuletzt bringt man die Antworten miteinander ins Gespräch und bildet ein begründetes eigenes Urteil. Dabei hilft es, jeweils beide Seiten zu hören: was ein theologischer Beitrag leisten kann und wo ein philosophischer oder naturwissenschaftlicher Beitrag etwas sieht, das der theologischen Betrachtung entgeht.

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